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DJK-Kräftemessen im kleinen Wolfsrevier

Vorbericht DJK Rimpar II – Regensburg Adler

“Wenn nicht jetzt, wann dann?” – alle Adler dürfen getrost in diesen Hit der Höhner miteinstimmen. In der Rimparer Dreifachsporthalle der Maximilian-Kolbe-Schule vor den Toren Würzburgs heißt es am Samstag für die zuletzt so fürchterlich gebeutelte Pekrul-Truppe einzig und alleine: Wenigstens gegen den Drittletzten der aktuellen Tabelle müssen endlich wieder einmal 2 Punkte her – ganz egal wie!

Zum Spiel
Spielt er oder spielt er nicht? Die Rede ist von Felix Karle, der großen Nachwuchshoffnung der Rimpar Wölfe auf der rechten Angriffsseite und mit 142 Treffern gleich einem der erfolgreichsten Torschützen der vorangegangenen Bayernliga-Saison, Karles erster (!). Mittlerweile fest zum Zweitliga-Rudel der unterfränkischen Wölfe gehörend taucht der brandgefährliche 19-jährige Linkshänder dennoch auch immer wieder enorm bissig bei Spielen der Jungwölfe in der Bayernliga auf – so zuletzt beim durchaus überraschenden 27:25 Sieg gegen den TSV Friedberg, in dem der aus der eigenen Jugend hervorgegangene Karle mit seinen 7 Treffern ganz schnell den Unterschied machte. Gar nicht der klassische Shootertyp sieht man sich hier durchaus einem Spieler mit starkem Tordrang gegenüber, stets jedoch in “Tateinheit” mit einem Blick für Nebenleute und Kreis. Hoffnung für die Adler macht hier in der Causa Karle der Spielplan der 2. Liga, welcher am selben Tag eine Auswärtsfahrt der 1. Rimparer Mannschaft an den Niederrhein zu den “Wieseln” des TSV Bayer Dormagen vorsieht.

Nur ungern wahrscheinlich erinnert sich so mancher Adler-Fan an das letzte Adler-Heimspiel vorige Saison, als die Rimpar-Reserve maßgeblich durch Tore von Felix Karle beide Punkte mit nach Unterfranken nahm. In dieser Partie am 19. Oktober 2019 war der schwer auszurechnende Goalgetter nicht mit von der Partie – und prompt reichte es für die Würzburger Vorstädter trotz durchaus überzeugender Mannschaftsleistung beim 22:26 letztenendes doch zu keinem Punkt an der Alfons-Auer-Straße. Wer die spielstark auftretenden “kleinen” Rimparer letzten Herbst im Adlerhorst gesehen hat, erinnert sich vielleicht, wie die Unterfranken der Heimmannschaft wirklich alles abverlangten, um am Ende doch noch als Sieger die Halle zu verlassen. Innerhalb einer überzeugenden Mannschaftsleistung ragte hier aus dem schwarz-grünen Jungwolfrudel Zweitligakader-Torwart Markus Leikauf heraus wie Karle ein Rimparer Eigengewächs. Oft scheinbar völlig teilnahmslos zwischen den Pfosten stehend machte die Nr. 3 des Rimparer Zweitligakaders in der Kerschensteiner Halle ein ums andere Mal beste und allerbeste Adlerchancen zunichte.
Betrachtet der Handballfan die aktuelle Bayernliga-Tabelle nach 16 Spieltagen kann man nicht so recht glauben, warum sich diese spielerisch überzeugende, technisch versierte und ausgeglichen besetzte Truppe mit derzeit nur 7 Punkten fast schon “weg vom Fenster” auf den Abstiegsrängen wiederfindet. Hauptgrund für den diesmal überraschend schlechten Tabellenplatz von Rimpar II scheint die letztlich immer wieder sehr magere Torausbeute von durchschnittlich nicht einmal ganz 22 Toren pro Spiel zu sein, hiermit die schwächste der Liga. Soweit zu sehen bekommen die Jungwölfe dabei auch nur sehr sporadisch – wenn, dann eben fast alleine durch Karle – Unterstützung von den “ausgewachsenen” Raubtieren aus der 2. Liga. Nicht von ungefähr tauchen die bislang erfolgreichsten Rimparer Werfer Dürr (57 Tore) und Gräsl (46 Tore) erst auf den Plätzen 27 und 34 der aktuellen Bayernliga-Torschützenliste auf, gefolgt dann erst wieder von Mohr auf Platz 64 mit 33 Treffern. Der angesprochene Karle wurde bisher lediglich zu 6 Bayernliga-Einsätzen herangezogen (24 Tore). Kennzeichen der Defensivarbeit der Jungwölfe ist überwiegend eine positionsspezifisch auf den ballführenden Gegner heraustretende 6-0-Formation. Ohne hier einen Ligakonkurrenten zweckpessimistisch und über Gebühr stark reden zu wollen: Diese Truppe, zumal vor eigenem Anhang, zu unterschätzen ist sicherlich der erste Schritt zur 6. Niederlage in Folge. Alleine der Umstand, dass der noch unlängst souverän bei den Adler siegreiche TSV Friedberg seine letzten beiden Punktspiele gegen den (eigentlich) Tabellenvorletzten Rimpar II und zuhause sogar sensationell gegen das Schlusslicht Fürstenfeldbruck II verloren hat, spricht Bände über die Unberechenbarkeit gerade der Reservemannschaften im Bayernliga-Topf.
Außen, Kreis, Rückraum – Merkmal des Rimparer Spiels in der Hinrunde war das gleichmäßig über alle Positionen verteilte und von überall gefährliche Offensivspiel der Zweitliga-Reserve. Ein sehr flüssig vorgetragenes – spielerisch nebenher schön anzuschauendes – Angriffsspiel sah technisch wie taktisch bestens ausgebildete Jungwölfe mit zugleich beweglicher wie effizienter Abwehr mit einem starken Keeper dahinter. Dass die Rimparer Abwehr auch am Samstagabend nicht leicht zu knacken sein wird, garantiert neben Torwart-Rückhalt Leikauf auch eine Gegentrefferquote von lediglich 382, die immerhin sechstbeste der Liga – welche damit vor derjenigen der Adler liegt. Keinen Singwald oder Kiener: Gegen die köperlich wohl erneut unterlegenen Rimparer gilt es von Regensburger Seite nicht zuletzt auch durch variables, druckvolles und über möglichst weite Phasen der Partie konzentriert vorgetragenes Positionsspiel vor allem eben auch physische Vorteile in Zählbares umzumünzen. Entsprechend unabdingbar ist am Samstag konsequentes Zupacken in der Abwehr über 60 Spielminuten hinweg, Konsequenz im Abschluss sowie eine ligagerechte Rückwärtsbewegung. Um spielerische Schönheitspreise geht es für die im steilen Sinkflug befindlichen Adler ohnehin längst nicht mehr.
Auch wenn es schon rosenkranzmäßig klingt: Endlich einmal eine auch in der Schlussphase stabile Leistung hinten wie vorne, Torleute inklusive, würde vermutlich schon einen Riesenschritt zum ersten Erfolgserlebnis seit letztem Oktober bedeuteten. “Stark begonnen und dann stark nachgelassen” kann und darf einfach nicht das Dauermotto für Spielberichte zu den Regensburg Adler werden.

Rimpar – Ort und Verein
Würzburg kennt man, Rimpar irgendwie nicht – wären da halt nicht die Handballer der örtlichen DJK. Quasi als Vorstädter der Metropole am Untermain sehen sich Rimparer aufgrund unmittelbaren als unmittelbar nördlichen Angrenzens an das Würzburger Stadtgebiet. Für die Regensburg Adler bedeutet die Partie am Samstag nichts weniger als mit 212 km Distanz die zweitweiteste Auswärtsfahrt in dieser Bayernliga -Saison (nach Lohr, 267 km). Heidingsfeld ist (sportlich) bekanntlich nicht mehr, somit ist es nun an den beiden DJK-Bayernliga-Mannschaften aus Waldbüttelbrunn und Rimpar die Fahnen der einstigen Handballhochburg Würzburg hochzuhalten. Bestens gelingt dies der 1. Mannschaft des nächsten Gastgebers der Adler, den “Rimpar Wölfe” in der 2. Bundesliga mit dort inzwischen bereits 7 Jahre ohne Unterbrechung (seit der Saison 2012/2013) währender Zugehörigkeit zur zweithöchsten deutschen Spielklasse. Wie auch bei den anderen beiden Reserven aus Fürstenfeldbruck und Coburg stellt auch Rimpar II den Unterbau und zugleich die Perspektivmannschaft für die jeweils höherklassiegere 1. Mannschaft dar – womit man irgendwie auch wieder beim Felix Karle wäre. Die Adler werden beim Aufeinandertreffen mit Rimpar II nominell dabei an die eigene Vereinsgeschichte erinnert, trifft man hier doch auf ein weiteres Mitglied der weitverzweigten DJK-Familie – die SG Regensburg fusionierte bekanntlich 1991 aus den beiden Regensburger Vereinen DJK Sportbund und Sportclub zu einer ausgegliederten Spielbetriebs-GmbH.

Geographische Lage von Rimpar (Quelle Wikimedia)

“Ort an einem Viehstall” – von dieser ebenso rustikalen wie aufschlussreichen Bezeichnung leitet sich letztlich wohl der Ortsname Rimpars etymolgisch her. Die altgermanischen Begriffe “rint” (Rind) und “buri” (Häuschen) wurden hierbei typisch verschmolzen. Im Jahr 1100 erstmal als “Rintburi” urkundlich erwähnt gelangte der heutige Markt über eine ganze Reihe verschiedener Abwandlungen doch bereits Mitte des 15. Jahrhunderts zu seinem heutigen prägnanten Namen – Rimpar. Nachweislich fand bereits Ende des 8. Jh. eine Besiedlung an der Stelle des heutigen Ortsgebiets statt. Am Flüsschen Pleichach gelegen grenzt der Markt Rimpar unmittelbar nördlich an das Würzburger Stadtgebiet und zählt gegenwärtig rund 7600 Einwohner, was seit der Wende zum Millennium allerdings leicht rückläufig ist. Hauptsehenswürdigkeit Rimpars ist das im 14. Jahrundert von Hans von Grumbach erbaute und nach ihn benannte Schloss Grumbach – ehedem eine der imposantesten Wasserburgen ganz Süddeutschlands, nachmalige Sommerresidenz der mächtigen Würzburger Fürstbischöfe und heute Heimstätte diverser Museen. Zudem wartet in der Pfarrkirche von Rimpar das “Grabmal des Ritters Eberhard v. Grumbach” (1487), das Erstlingswerk Tilman Riemenschneiders, des bedeutendsten Holzbildhauers der deutschen Spätgotik. In unseren Tagen wohl bekanntester Sohn des Orts ist der Profifußballer und nachmalige Trainer Bernd Hollerbach. Gegenwärtig verdankt der kleine Marktflecken im Landkreis Würzburg eine gewisse überregionale Bekanntheit dem stetig angewachsenen sportlichen Erfolg seiner Handballer der hier beheimateten DJK, welche sich 2011 entschlossen fortan trendig als “Rimparer Wölfe” zu firmieren und die stolze 3000 Zuschauer fassende S. Oliver-Arena in Würzburg als ihr Wolfsrevier zu markieren. Im Gegensatz zur Natur scheint zeigte sich im Würzburger Handball, dass Handball spielende Wölfe überraschenderweise eine letztlich größere Lebenserwartung besitzen als gleichgeartete Bullen. 😉

Trainer Kai Uwe Pekrul und Co-Trainer Veselý Zbynêk Foto: Brüssel

Sollte vor den nördlichen Toren Würzburgs erneut nicht (doppelt) gepunktet werden, sieht es wirklich zappenduster für die tabellarische Zukunft der Adler aus und die Abstiegsplätze würden dann endgültig sehr unangenehm nahe rücken. Konsequenzen – welcher Art jetzt auch immer – wären für die Verantwortlichen der Adler dann wohl unvermeidlich, will man nicht mit einem zu Saisonbeginn hochkarätig verstärkten Kader vom gefühlten Aufstiegskandidaten noch zum erntshaften Mitbewerber um den Klassenerhalt abstürzen. Somit kann es am Samstag in Rimpar Punkt 20 Uhr also wirklich nur heißen: Wenn nicht jetzt, wann dann???!!!

Voraussichtliche Aufstellung der Teams:
Regensburg Adler

Adler 2019 / 2020

#SpielerPositionTore
3irlgerSteffan MeyerRückraum Mitte52
5gerTom WukaLinksaussen49
7gerMarwin WunderRechtsaussen45
8gerValentin DemlLinksaussen81
16gerMaximilian LotterTorwart1
17gerKonstantin SingwaldRückraum links82
22hunBence CsikiTorwart0
39gerDaniel MulitzeRückraum links4
44gerArmin KienerKreis, Rückraum links2
75czeŠíra JakubKreis33
77gerTobias StoiberLinksaussen22
96gerLukas HeinleRückraum links, Rückraum Mitte43
97gerStephan KlenkRückraum rechts21
99gerTim VasoldKreis6

SG DJK Rimpar II

Austragungsort

Rimpar Maximilian-Kolbe-Schule (210341)
Julius-Echter-Straße 4, 97222 Rimpar, Deutschland

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